Auf einen Blick

  • Die Massentierhaltung ist ein Produktionssystem, in welchem die Grundbedürfnisse von Tieren in praktisch allen Belangen missachtet werden.
  • Auch für uns Menschen ist die Massentierhaltung und der damit einhergehende übermässige Konsum industriell produzierter Tierprodukte hochproblematisch.
  • Die Massentierhaltung schadet der Umwelt und treibt den Klimawandel voran.

Verheerend für Tier, Mensch und Umwelt

Die Massentierhaltung ist ein Produktionssystem, in welchem die Grundbedürfnisse von Tieren in praktisch allen Belangen missachtet werden. Grosse Gruppen an Individuen werden auf engstem Raum zusammengepfercht. Regelmässiger Auslauf und eine angemessene, tiermedizinische Versorgung kann in dieser Haltungsform nicht sichergestellt werden. Trotz ihrer Leidensfähigkeit werden Tiere in der Massentierhaltung nicht als Lebewesen, sondern als Produkte betrachtet – entgegen den Werbebildern der Milch- und Fleischlobby.

Doch nicht nur Tiere leiden unter der Massentierhaltung. Auch für uns Menschen ist das heutige System hochproblematisch. So trägt der übermässige Konsum industriell produzierter Tierprodukte erwiesenermassen zu Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes bei und verursacht langfristig gefährliche Antibiotikaresistenzen.

Und auch aus Sicht der Umwelt und des Klimas ist die Massentierhaltung nicht mehr länger tragbar. Sie ist klimaschädlicher als der gesamte globale Verkehr (inkl. aller Flugzeuge) und – durch den Anbau von Soja-Monokulturen für die Tiermast – für etwa 90 % der gesamten Abholzung des Amazonas verantwortlich. Tierprodukte benötigen global 83 % des landwirtschaftlich genutzten Landes (Weideland sowie Anbau von Futtermitteln), versorgen uns aber nur mit 18 % der Kalorien.

Tierschutz und Tierwohl

Der Konsum von Tierprodukten hat in der Schweiz seit der Jahrtausendwende um etwa 60 % zugenommen. Um diese steigende Nachfrage zu decken, ist der Bestand der landwirtschaftlich gehaltenen Nutztiere (Hühner, Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde) zwischen 2000 und 2013 um fast die Hälfte gestiegen. Hauptgrund für den Gesamtanstieg ist das massive Wachstum des Hühnerbestandes. In derselben Zeitspanne ist die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe von knapp 70’000 auf 55’000 gesunken. Als Konsequenz werden aktuell pro Betrieb wesentlich mehr Tiere gehalten als früher – für das Tierwohl ist das fatal.

Bis zu 300 Mastkälber, 1’500 Mastschweine oder 18’000 Legehennen bzw. (je nach Alter) 27’000 Masthühner dürfen in einem Betrieb gehalten werden. Dies führt zu Zuständen, die aus Tierwohlsicht nicht zu rechtfertigen sind. Die Tiere sind enormen Belastungen ausgesetzt, es kommt zu Kannibalismus, Auseinandersetzungen zwischen den Tieren und frühzeitigem Ableben, weil Erkrankungen nicht rechtzeitig erkannt werden. Vor allem bei Hühnern ist die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der Tiere für die Betreiber der landwirtschaftlichen Betriebe eigentlich nicht möglich.

Forderungen der Initiative

  • Aktuell: Bestandesgrössen mit bis zu 18’000 Legehennen, 27’000 Masthühnern oder durchschnittlich 17 Hühnern pro Quadratmeter.
    Forderung: Starke Reduktion auf max. 2’000 Tiere (Bio-Suisse-Standard).
  • Aktuell: Zehn je 100 Kilogramm schwere Mastschweine teilen sich die Fläche eines Autoparkplatzes. Tierunwürdige Kastenstände sind während der «Deckzeit» noch immer für zehn Tage erlaubt. Der «Auslauf» ist meist nichts anderes als eine oft glitschige, dreckige Betonfläche mit Gittern und einer Eisenkette als Beschäftigung. Zudem findet die künstliche Besamung der Tiere mit Katheter statt.
    Forderung: Komplette Abschaffung der Kastenstände sowie freie Bewegungsmöglichkeiten auf der Wiese und im Schlamm. Zudem soll Einstreu in Schweineställen zur Norm werden und die Besamung soll auf natürliche Art und Weise geschehen.
  • Aktuell: Die Anbindehaltung von Milchkühen ist generell gestattet.
    Forderung: Die Anbindehaltung von Milchkühen soll nur noch in Kombination mit dem RAUS-Programm erlaubt sein.

Gängige Praktiken

  • Männliche Küken werden in den meisten Fällen gar nicht erst aufgezogen, sondern bereits an ihrem ersten Lebenstag millionenfach maschinell getötet. Rund zwei Millionen Tiere erleiden dieses Schicksal allein in der Schweiz jedes Jahr.
  • Masthühner dürfen lediglich sechs Wochen leben, bis sie schlachtreif sind. Zu diesem Zeitpunkt sind sie aufgrund ihrer Überzüchtung oft bereits so schwer, dass ihre Beine sie kaum mehr tragen können.
  • Legehennen werden in der Regel spätestens im Alter von 18 Monaten «ausgestallt», d.h. getötet, weil ihre Legeleistung nicht mehr den betrieblichen Anforderungen entspricht. Diese Zeitdauer entspricht ca. 15 % ihrer natürlichen Lebenserwartung.
  • Ähnlich wurden Milchkühe seit den 1960er-Jahren auf eine solche Art und Weise hochgezüchtet, dass sie heute nicht mehr 4’000, sondern zwischen 8’000 und 10’000 Liter Milch pro Jahr geben. Zweinutzungsrassen, die sowohl zur Milch- als auch Fleischproduktion taugen, stellen eine Minderheit dar.

Gesundheit

Im Zusammenhang mit Tierprodukten sind besonders Gefahren relevant, die aus dem Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung resultieren. In der Schweiz wurden im Jahr 2014 in der Nutztierhaltung mehr als 48’000 Kilogramm Antibiotika verkauft. Multiresistente Keime sind unter Nutztieren entsprechend weit verbreitet. Da sich multiresistente Bakterien auch auf den Menschen übertragen, vermindert die Antibiotikaabgabe an Tiere auch die Chancen, Menschen zukünftig erfolgreich mit Antibiotika zu behandeln. Jährlich sterben in der Europäischen Union schätzungsweise 25’000 Menschen an Infektionen durch resistente Keime. Die Schweiz liegt bezüglich der Anzahl resistenter Bakterienstämme etwa im europäischen Mittelfeld.

Ein zusätzliches Problem der hohen Keimdichte in Massentierhaltungsbetrieben besteht in der Gefahr der Entstehung von Krankheiten wie der Vogel- oder der Schweinegrippe. COVID-19 hat der ganzen Welt vor Augen geführt, dass solche «Zoonosen» auch für den Menschen brandgefährlich sein können.

Der übermässige Konsum von Fleisch und Milchprodukten kann nicht zuletzt der Gesundheit abträglich sein. Eine vorwiegend pflanzliche Ernährungsweise ist gesund und verringert die Gefahr, an gewissen Krankheiten – insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder Übergewicht – zu erkranken.

Umweltschutz und Versorgungssicherheit

Die Nutztierhaltung ist für rund 85 % aller in der Schweizer Landwirtschaft verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich und verursacht durch ihre immensen Stickstoffeinträge massive Probleme für Schweizer Böden und Gewässer. Durch den Import über einer Million Tonnen Futtermittel trägt die industrielle Tierhaltung in der Schweiz auch massgeblich zu verschiedenen Umweltproblemen in anderen Teilen der Welt bei.

Treibhausgasemissionen

Die Welternährungsorganisation der UNO (Food and Agriculture Organisation, FAO) schätzt, dass die Massentierhaltung für 14,5 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Dies entspricht ungefähr den Gesamtemissionen des weltweiten Verkehrs. Das Treibhausgas Methan, das primär durch den Verdauungsprozess von Wiederkäuern wie Kühen, Ziegen und Schafen verursacht wird, ist dabei von besonderer Bedeutung. Einerseits verursacht es fast die Hälfte der Treibhausgasemissionen, die aus der Massentierhaltung resultieren. Andererseits ist seine erderwärmende Wirkung 25-mal stärker als diejenige von Kohlendioxid. Um die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung zu verhindern, müssen die Treibhausgasemissionen ausgehend von den Emissionen im Jahr 2000 bis ins Jahr 2050 um mindestens die Hälfte reduziert werden. Die Verminderung der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung und die vermehrt pflanzliche Ernährung können einen erheblichen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten. Für die Schweiz haben Forscher der ETH ermittelt, dass die Verkleinerung der Tierbestände die Potenteste aller Massnahmen zur Reduktion der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen ist.

Wasserverschmutzung

Die Überdüngung landwirtschaftlich genutzter Flächen mit phosphorhaltigen Düngemitteln führte bereits des Öfteren zu einer starken Algenbildung in verschiedenen Schweizer Seen. Die Folge: zahlreiche Fische sterben aufgrund des zunehmenden Sauerstoffmangels. Gleichzeitig stammen die Hälfte aller Antibiotikarückstände und 37 % der giftigen Schwermetalle in Schweizer Gewässern aus der Nutztierhaltung. Nicht zuletzt trägt auch die Futtermittelproduktion zur grossflächigen Wasserververschmutzung bei, weil mehr als ein Drittel aller Pestizide, die im Wasserhaushalt enden, aus der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung stammen.

Ressourcenineffizienz: Boden

Für die Produktion einer Einheit Fleischprotein wird eine Fläche benötigt, die zwischen 6 und 17 mal grösser ist als jene, die zur Gewinnung einer Einheit Sojaprotein genutzt werden muss. Kurzum: Die Verfütterung pflanzlicher Proteine an Nutztiere ist enorm ineffizient. Knapp 70 % der Rodung im Amazonasgebiet ist zudem direkt auf die Viehhaltung zurückzuführen. Ein Grossteil der übrigen 30 % dient zudem dem Anbau von Futtermitteln. Auch das in der Schweiz als Kraftfutter verfütterte Soja stammt zum grössten Teil aus dem Ausland. Insgesamt benötigt die Nutztierhaltung fast einen Drittel der Erdoberfläche – das entspricht mehr als drei Vierteln des globalen Ackerlandes.

Ressourcenineffizienz: Wasser

Die Produktion von Fleisch und Milchprodukten ist erheblich wasserintensiver als die Herstellung pflanzlicher Nahrungsmittel. Für die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch werden im globalen Durchschnitt mehr als 15’000 Liter Wasser benötigt – das entspricht fast 100 Badewannen. In niederschlagsarmen Regionen wird die Wasserknappheit durch die Produktion von Fleisch und Futtermitteln signifikant verschärft. Die Schweiz importiert pro Jahr rund eine Million Tonnen Futtermittel und verschärft damit indirekt die Wasserknappheit in Entwicklungsländern.

Ressourcenineffizienz und Weltarmut

Die Ressourcenineffizienz der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ist nicht nur mit Blick auf den Klimawandel problematisch, sondern verursacht auch sozioökonomische Probleme, namentlich in den Bereichen Wasser- und Ernährungssicherheit. Als Folge davon verteuern sich die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel. Der grossflächige Anbau von Futterpflanzen führt zudem zu einer Verdrängung kleinbäuerlicher Landwirtschaftsbetriebe. Diese Probleme scheinen besonders gravierend angesichts der aktuell nahezu 800 Millionen Menschen weltweit, denen ein regelmässiger Zugang zu Grundnahrungsmitteln fehlt.

Versorgungssicherheit in der Schweiz

Die Berechnung des Bundesamtes für Statistik zum Selbstversorgungsgrad der Schweiz unterschlägt unsere enormen Futtermittelimporte. Der ausgewiesene Selbstversorgungsgrad reduziert sich ohne die importierten Futtermittel von 58 % auf 50 %. Die Herstellung der 430’000 Tonnen Eiweissfuttermittel, die jährlich in die Schweiz importiert werden, beansprucht im Ausland eine Anbaufläche, die fast jener des gesamten offenen Schweizer Ackerlandes entspricht (250’000 Hektaren bzw. 270’000 Hektaren in der Schweiz). Die Reduktion des Konsums von Fleisch und Milchprodukten kann die Versorgungssicherheit der Schweizer Landwirtschaft damit unmittelbar verbessern.